Eigentlich habe ich mich selbst verwirklicht

Anni Ringhofer hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Die Hochzeitsbäckerei.

Ich bin vor 15 Jahren als Transit-Arbeitskraft zu Mamas Küche gekommen. Am ersten Tag habe ich gebetet; lass dieses Jahr schnell vergehen. Ich habe drei Kinder gehabt und konnte mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Die Kinder 3, 7, 9  - und am Boden zerstört.

Aber wie ich herein gekommen bin, wurde ich so herzlich aufgenommen; mir hat's vom ersten Tag an gefallen. Ich habe alle Stationen durchgemacht und irgendwann bin ich zum Dessert gekommen. Offenbar sind meine Nachspeisen gut angekommen. Die damalige Chefin hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in eine neu geschaffene Stelle - die Mehlspeisküche - einzusteigen.

Gelernt habe ich die Zuckerbäckerei ja nicht. Ich habe es zwar gerne gemacht, aber ich wollte nicht Konditorin werden, weil die waren alle immer so dick. Wenn ich zurück blicke, fällt mir auf: eigentlich habe ich mich selbst verwirklicht. Ich habe beruflich getan, was ich zu Hause auch immer getan habe - hobbymäßig. Heute sind wir im Schnitt bei 90 Kilo Keksen pro Woche – über’s Jahr verteilt. Denn Weihnachten ist natürlich eine Spitze, da sind es 600 Kilo. 45.000 Kekse, die mehrfach durch unsere Hände gehen.

Ich bin ein konsequenter Mensch. Wenn ich finde das gehört so, dann gehört es so, da fährt die Eisenbahn drüber. Ich fühle mich für die Ware verantwortlich, die hinaus geht und die muss in Ordnung sein. Ich sage den Frauen immer, wenn ihr eine Mehlspeise kauft, dann wollt ihr auch, dass alles passt.


 

 

 

 


 

 

Am Anfang haben viele Frauen großen Respekt vor mir, weil ich so genau bin. Ich lege großen Wert darauf, dass die Arbeitskleidung sauber und gebügelt. Weil mit so abgeschnudelten Schürzen - was sollen sich die KundInnen da denken, die bei uns Mehlspeisen kaufen kommen. Wir repräsentieren ja Mamas Küche.
Es sind sehr viele Handgriffe bei den Mehlspeisen zu machen. Es ist alles heikel. Ist die Glasur eh nicht zu heiß, weil dann wird sie grau. Ist die Butter eh nicht zu weich, denn wenn sie zu flüssig ist, kann man keine Creme mehr machen. Die Kekse eine Minute zu lange im Ofen, dann sind sie braun. So viel Kleinigkeiten.

Manches davon kann man nicht lernen. Zum Beispiel ein Kipferl machen, das kann ganz selten wer. Oder Punschkugerln. Das kann man niemanden zeigen. Ich hab schon soviel überlegt, wie ich das erklären könnte; da kommen oft Eier heraus und alles, nur keine Kugeln. Das kann man oder man kann es nicht. Mit dem Nudelwalker einen schönen Teig ausrollen, das kann man hingegen lernen. Am Anfang ist das eine Katastrophe - da sagen die Frauen, "ich laufe jetzt davon". Wir sagen immer wieder, bitte nicht verzweifeln, es ist eben am Anfang so. Fehler muss man machen dürfen.

Wenn du jemand wirklich etwas lernen kannst, dass sie nachher gleich einen Job kriegt, da bin ich schon sehr stolz. Manche Mädchen, die zu uns kommen, haben von zu Hause ganz wenig mitgekriegt. Zum Beispiel die Angelika; wir haben dem Mädchen so viel gelernt. Das ist für mich dann auch ein Erfolg, dass die nach nicht einmal einem Jahr einen Job kriegt. Ich hab die abgebusselt, weil ich mich so gefreut habe.
 

 

 


 

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